London im Jahre 1775. Die 34jährige Elizabeth Cook, die Frau des berühmten englischen Seefahrers und Entdeckers James Cook erwartet die Ankunft ihres Mannes, der seine zweite, dreijährige Südseereise (1772 – 1775) erfolgreich absolviert hatte.

Elizabeth Cook (1830)
Porträt von William Henderson, Quelle: wikipedia

Das Besondere an dem Buch ist die personale Erzählperspektive der Ehefrau. Aus ihrer Sicht erfährt der Leser sowohl ihre Lebensumstände mit sechs Kindern und ihre Einstellung zum Verlauf der Karriere ihres Mannes und seinen Expeditionen, von der er ihr in seinen Briefen berichtet. Doch jetzt steht seine Heimkehr bevor. „Die Entdeckungen sind gemacht, die Küsten kartiert, die fremden Völker beschrieben, und die Rückfahrt ist angetreten“ (Luchterhand, 2006, S. 14). Seit ihrer zwölfjährigen Ehe hatte sie noch nie ein ganzes Jahr zusammen mit ihrem Mann in dem Haus verbracht. James fuhr im Frühjahr fort und kehrte erst im November zurück.

Dann kam 1768 das Angebot für James erste dreijährige Südseereise, er ließ drei kleine Kinder und eine schwangere Frau zurück. Während seiner Abwesenheit stirbt zuerst die kleine Elly  und dann Joseph nach seiner Geburt.

1772 ging James auf seine zweite Südseereise. Wieder wartete Elizabeth drei Jahre auf James Rückkehr.

Er zählt darauf, daß  ich das normale Leben aufrechterhalte, ich muß die Hüterin des Heimathafens sein, ich muß den Kindern Tag für Tag das Bild ihres Vaters vorhalten, damit sie nicht erschrecken, wenn er plötzlich leibhaftig hereinkommt. Ich muß die Stachelbeeren einmachen, ich muß dafür sorgen, daß im Garten nichts zugrunde geht. Daß ich das alles tue, ist Voraussetzung dafür, daß er fortkann“ (Luchterhand, 2006, S. 46).

Nach der zweiten Südseereise ist James Cook ein berühmter und angesehener Mann in England mit einer gut bezahlten Arbeit in einem Heim für arme Marineveteranen. Aufgrund seiner Erfolge bei der Bekämpfung der Skorbut hatte die Royal Society ihn in ihre Kreise aufgenommen. James hatte seiner Familie versprochen, nicht mehr auf Reisen zu gehen: „ich bin lange genug gefahren“ (Luchterhand, 2006, S. 130). Doch König George, sehr an der Seefahrt interessiert, will für die Erkundung der Nordpassage den berühmtesten und erfahrensten Kapitän: James.  Cook nimmt das Angebot der Admiralität an und bricht 1776 zu seiner dritten dreijährigen Südseereise auf. Er lässt Elizabeth mit einem Baby zurück, die kein Verständnis für den Wortbruch aufbringen kann. Auf dieser Reise wird ihr Ehemann am 14. Februar 1779 auf Haiti von Einheimischen erstochen und in Stücke zerlegt.

Captain James Cook (1775) Porträt von Nathaniel Dance Quelle: National Museum Greenwich

Im Oktober 1780 verliert Elizabeth ihren 15-jährigen Sohn Nathaniel, dessen Schiff in einem Sturm vor Jamaika sank. Sie flüchtet sich in Apathie und Gleichgültigkeit und Wut auf James, der seine Familie verlassen hatte. Sehr kritisch sind ihre Gedanken bei Betrachtung des für Cook errichteten Denkmals:

Elizabeth sah die Stille Südsee, aus der hie und da eine kleine Erhebung ragte. Ein Nichts, dachte sie, und dafür so viel Elend, so viel Auftregung. Stecknadelköpfe sind sie, diese Theater des Fortschritts. Der Strand von Hawaii, die Bucht von Tahiti“ (Luchterhand, 2006, S. 337). „Alles hat er gewonnen, Ruhm, Ansehen, Akzeptanz in Kreisen, in denen er nichts zu suchen hatte. Eine Familie. Zur See fahrende Kinder. Die Freiheit zu entscheiden, was er auf sich nehmen wollte und was nicht. Alles gewonnen, alles verloren.„(Luchterhand, 200t, S. 366).

Ihren Sohn Benny, der in Cambridge Theologie studiert,  verliert sie mit 52 Jahren durch eine Fieberattacke, ihren Sohn James ein Jahr darauf. Sie wird 94 Jahre alt und hat alle ihre Kinder überlebt.

 

Anna Enquist, Frankfurter Buchmesse 2015 Quelle: Google images

Anna Enquist (geb. 14. Juli 1945), eine niederländische Autorin, die als Konzertpianistin und Psychoanalytikerin gearbeitet hatte, ist in diesem Roman ein eindringliche Porträt einer viktorianischen Frau gelungen, die die ruhmreiche Geschichtsschreibung über James Cook kritisch hinterfragt.

 

 

 

 

Mai Tai (für Elizabeth Cook)

Cocktail Mai Tai
Quelle: Google images

 

 

3 cl brauner Rum, 3 cl goldener Rum, 1 cl Curacao orange, 2 cl Mandelsirup, 3 cl frisch gepresster Limettensaft, 8 cl Ananassaft

Glas: Fancyglas (44,4 cl)  oder Tumbler  – Garnitur: Ananasscheibe, Cocktailkirsche, Minzzweig, – Trinkhalm

Alle Zutaten der Reihe nach auf crushed ice im Shaker kräftig schütteln. Dann den Drink in ein mit Würfel- oder Crushed Ice gefülltes Glas seihen. Mit der Ananasscheibe, der Cocktailkirsche und einem Minzzweig dekorieren. Mit Trinkhalm servieren.

Der Original Mai Tai, den Victor Jules Bergeron 1944 erfunden hatte, enthält außer dem Limettensaft keine Fruchsäfte. Ich widme der tapferen Elizabeth Cook den Mai Tai in der Fancyvariante mit Ananssaft. Dadurch wird er meiner Meinung nach für eine Dame des  18. Jahrhunderts trinkbarer und erinnert noch mehr an die tropischen Inseln Tahiti und Hawai, die ihr Mann besucht hatte.

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