Apothekenbar, Berlin Foto: Susi Tresen

Geplant hatte ich für diesen Blogbeitrag ein anderes Buch. Doch dann ging ich mit Sabine, der Nachtschreiberin, am Samstag, 29.4.2017, in Berlin nach dem Modul „Prosa“ in die Berliner Cocktailbar „Die Apotheke“ am Mariannenplatz 6, in der 1854 tatsächlich eine Apotheke beheimatet war.

Und weil es nicht nur Zufälle, sondern auch Fügungen gibt, entdeckten wir vor unserem Barbesuch im Mariannenplatz 2 „Bethanien“, eine früheren Diakonissenanstalt zur Ausbildung von Krankenpflegerinnen, 1847 eröffnet und bis 1970 in Betrieb. Bürgerinitiativen und Denkmalschützer kämpften um den Erhalt des Gebäudes und jetzt ist es ein Ort für kulturelle, künstlerische und soziale Institutionen. Im Erdgeschoß befindet sich in einem Ausstellungsraum die Original-Krankenhausapotheke, in der Theodor Fontane von 1848 bis 1849 als Apotheker gearbeitet hatte.

Fontanes Arbeitsplatz
Foto: Susi Tresen

Aus diesem literarischen Impuls heraus, wähle ich Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“, das 1896 als Buch erschien, nachdem er in sechs Folgen in der „Deutschen Rundschau“ abgedruckt worden war. Anhand der Figur des Barons Geert von Instetten zeigt Fontane die Tragik des wilhelminischen Ehrenkodexs auf, von dem sich der Baron nicht lösen kann. Er findet die Liebesbriefe seiner 21 Jahre jüngeren Frau an Major Crampas, seit ihrer gemeinsamen Affäre sind jedoch bereits 6 Jahre vergangen. Die Familie lebt seitdem in Berlin und hat in zwischen eine Tochter. Dennoch bittet Baron von Instetten  Geheimrat Wüllersdorf sein Sekundant zu sein, obwohl er ihm bekennt:

„Ich liebe meine Frau, ja, seltsam zu sagen, ich liebe sie noch, und so furchtbar ich alles finde, was geschehen, ich bin sosehr im Bann ihrer Liebenswürdigkeit, eines ihr eigenen heiteren Scharmes, daß ich mich, mir selbst zum Trotz, in meinem letzten Herzenswinkel zum Verzeihen geneigt fühle. (…) Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an, und auf das Ganze haben wir beständig Rücksicht zu nehmen, wir sind durchaus abhängig von ihm. (…) Aber im Zusammenleben mit den Menschen hat sich ein Etwas gebildet, das nun mal da ist und nach dessen Paragraphen wir uns gewöhnt haben, alles zu beurteilen, die andern und uns selbst. Und dagegen zu verstoßen geht nicht; die Gesellschaft verachtet uns, und zuletzt tun wir es selbst und können es nicht aushalten und jagen uns die Kugel durch den Kopf.“

Der Baron erschießt Major Crampas im Duell, lässt sich von Effi scheiden und nimmt ihr das Kind. Drei Jahre nach der Trennung erkrankt Effi und stirbt (nach meiner Rechnung) mit 29 Jahren in ihrem Elternhaus.

Für diesen Roman, der im Kaiserreich unter Wilhelm II. spielt, kommt als Basisspirituose für den Cocktail nur ein Cognac in Frage. Für diesen werden nur Weine aus den sechs Anbaugebieten der Charente destilliert. Er muss mindestens zu 90 % aus Grundweinen der Sorte „Ugni blanc“, „Colombard“, und /oder „Folle blanche“ gekeltert werden und zweimal in der traditionellen Brennblase destilliert werden.  Cognac muss mindestens zwei Jahre in französischen Eichenfässern reifen.

Weil ich glaube, dass Baron von Instetten Cognac gerne pur nach dem Kaffee trank, hätte ich ihm diesen Drink empfohlen, den ich in Charles Schumanns Buch „American Bar“ auf Seite 48 finde: „Black Jack“. Für Baron von Instetten erhöhe ich den Spirituosenanteil um je 1 cl gegenüber dem Original und ändere den Namen in „Black Geert“.

 

Black Geert (Black Jack)

Foto: Google images

3 cl Cognac, 3 cl Kirschwasser, 1 Tasse kalten Kaffee, Zucker (beliebig)

Glas: Highballglas (Füllmenge 26,6 cl)

Zubereitung: Highballglas mit Eiswürfel füllen. Ingredienzen abmessen und auf die Eiswürfel geben und mit einem Barlöffel  verrühren. Wird Zuckersirup verwendet, dieses vor den Eiswürfeln ins Glas geben.

 

 

 

 

 
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