Zu dem Meisterwerk von Patrick Süskind, dem Roman „Das Parfüm“, haben wir schon einen Grasshopper getrunken. Jetzt stelle ich fest, dass der Vater von Patrick Süskind, Wilhelm Emanuel Süskind (1901 – 1970), meine Lieblingsnovelle „Babettes Fest“ aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte.

Tanja Blixen, deren wahrer Name Baronin Karen Christence Blixen-Finecke war, veröffentlichte diese Novelle zum ersten Mal 1950 in der Zeitschrift Ladies Home Journal, 1952 wurde sie in dem Sammelband „Anectodes of Destiny“ veröffentlicht.

Gabriel Axel verfilmte den Stoff 1987 und erhielt für diesen dänischen Film 1988 den Oscar in der Rubrik bester fremdsprachlicher Film.

Was mich an der Novelle fasziniert, ist die Gegenüberstellung der strengen pietistischen Lebens- und Denkweise  einer kleinen, überalterten Kirchengemeinde in dem nordnorwegischen Küstenstädtchen Berlevaag und ihre Gemütsänderungen für einen Abend durch die Begegnung mit den Genüssen der französischen Kochkunst.

Die Mitglieder der pietistischen Sekte „versagten sich die Freuden dieser Welt; denn die Erde mit ihren sämtlichen Gaben galt ihnen als eine Art Sinnentrug, und die einzige Wirklichkeit war das Neue Jerusalem, nach dem sie strebten“ (Babettes Fest, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, 2003, S. 11).

Die altjüngferlichen Predigertöchtern Martine und Phillipa hatten vor 12 Jahren die Französin Babette als Haushälterin aufgenommen, die vor dem Bürgerkrieg in Paris fliehen musste, ihr Ehemann und erwachsener Sohn waren dort bereits als Aufständische standrechtlich erschossen worden.  Babette kocht  die vorgegebenen Speisen: Brotsuppe und Stockfisch, bis sie eines Tages 10 000 Francs in der Lotterie gewinnt. Während die Kirchengemeinschaft bereits um ihre Abreise fürchtet, bittet Babette um die Erlaubnis, zu Ehren des verstorbenen Vaters von Martine und Phillipa ein Fest mit einem französischen Dinner im Haus der Schwestern geben zu dürfen . Diese stimmen zögerlich zu, denn : „Ein karger kalter Imbiß mit einer Tasse Kaffee war die aufwendigste Mahlzeit, zu der sie jemals einen Gast gebeten hatten“ (Babettes Fest, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, 2003, S. 33).

Filmfoto aus Babettes Fest, Quelle: http://www.patheos.com

Babette bestellt französische Delikatessen mit den korrespondierenden Weinen und Champagner aus Frankreich, um die Glaubensgemeinschaft mit einem Menue zu überraschen, wie sie es in ihrem berühmten Pariser Restaurant gekocht hatte. Durch Zufall ist auch als Gast General Löwenhjelm anwesend, der als einziger die Qualität des Essens und der Weine wiedererkennt. Den Champagner identifiziert er sofort als „Veuve Cliquot 1860“. Auch die Kirchengemeinde bemerkt den Unterschied zum vorausgegangenen Wein: „Diese Mal wußten die Brüder und Schwestern, daß es sich bei dem Getränk nicht um Wein handeln konnte, denn es sprühte. Es muß eine Art Limonade sein, die aufs beste zu ihrem angeregten Geisteszustand paßte und sie gleichsam von der Erde emporhob in höhere, reinere Regionen.“ (Babettes Fest, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, 2003, S. 51). Auch das Essen wirkt auch auf die übrigen 12 Gäste mit ihrem schlichten und einfältigem Gemüt, ihre Stimmen lösen sich, sie versöhnen und sie lieben sich (Babettes Fest, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, 2003, S. 51).

An diesem Abend führt Tania Blixen vor, dass gutes Essen glücklich macht und Champagner die Herzen öffnet. Am Ende des Abends haben selbst die Erzfeinde ihre Zwiste bereinigt. Auf dem Nachhauseweg „…schritten [sie] dahin und standen still, hatten sich dabei körperlich sowohl wie seelisch bei der Hand gefaßt und sahen mitunter aus, als tanzten sie ein einer Francaise der Seligen die Figur mit der großen Kette.“ ( Babettes Fest, Büchergilde Gutenberg, Frankfurt, 2003, S. 59).

Um die befreiende und beglückende Kraft der Festgemeinde mitzuerleben, empfehle ich, bei der Lektüre einen Champagner-Cocktail zu trinken, den French 75.

French 75, Quelle: Google images

3 cl Gin, 1 cl Zuckersirup, 1 cl Zitronensaft, Champagner

Glas: Champagnerkelch- Garnitur: auf dem Bild: schwarze Olive, Zitronenzeste, meistens ohne Garnitur

Champagnerglas gut vorkühlen. 1 cl Zuckersirup, einen kleinen Spritzer Zitronensaft und 3 cl Gin im Shaker mit Eiswürfel schütteln. Dann in das vorgekühlte Champagnerglas abseihen. Mit Champagner auffüllen.

Quelle: My Gourmet 24

Kleine Hommage an alle Berliner. Die Website von Gin Inspiration empfiehlt zum French 75 einen Gin aus Berlin: den Adler Berlin Dry Gin. Die preußische Spirituosenmanufaktur brennt ihn mit der schonenden Vakuumdestillation bei unter 80 Grad Celisius, so dass sich die pflanzlichen Essenzen nicht zersetzen.Nach der zweiten Destillation erreicht der Gin seine Trinkstärke von 42 % Volumen. Dann reift er noch 3 Monate in Steinfässern.

Wer den Adler Gin nicht extra kaufen möchte kommt auch mit einem Tanqueray London Dry Gin  beim Mixen gut zurecht.

 

 

 

 

 

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