Ich möchte in diesem Blog auch eine Schriftstellerin aus Altbayern vorstellen und habe mich für Lena Christ entschieden. Sie wurde am 30. Oktober 1881 in Glonn geboren und nahm sich am 30. Juni 1920 auf dem Münchner Waldfriedhof mit einer Zyankalikapsel das Leben.

Lena Christ um 1911, Quelle: Archiv Monacensia

Sie hatte ein bewegtes und anstrengendes Leben. Da sie unehelich geboren wurde, wächst sie die ersten Lebensjahre noch unbeschwert bei den Großeltern mit inniger Liebe zum Großvater auf. Doch als ihre Mutter sie als 7-jährige zu sich nach München mitnimmt, ist sie deren brutalen Misshandlungen ausgesetzt und wird als billige Arbeitskraft in deren Gastwirtschaft eingesetzt . Diese Erfahrungen fließen auch in den autobiografischen Roman „Erinnerungen einer Überflüssigen“ von 1912 ein. 1898 sucht Lena mit 17 Jahren das Klosterleben als Zuflucht für sich, verlässt es jedoch enttäuscht nach 2 Jahren. Bigotterie und Drill kann sie nicht ertragen. Sie arbeitet als Köchin bei ihrer Mutter und heiratet mit 20 Jahren den Buchhalter Anton Leix.

Lena Christ und Anton Leix, 1901 Heirat, Quelle: Archiv Monacensia

Sie bekommt zwei Töchter und einen Sohn, doch die Ehe scheitert 1909 an der Trunksucht von Anton, der auch die Mitgift verspekuliert. Lena wird krank und in das Schwabinger Krankenhaus eingewiesen, Die Töchter kommen für 3 Jahre ins Kinderheim, der kleine Toni wächst in der väterlichen Familie auf.

1911 wird Lena Diktatschreiberin bei dem Schriftsteller Peter Jerusalem, der sich ab 1933 Peter Benedix nennt und ihr literarisches Talent entdeckt und fördert. 1912 heiraten die beiden, aber Peter wird 1915 zum Militärdienst einberufen. 1917 zieht das Ehepaar nach Landshut, doch auch diese Ehe zerbricht 1919 und Lena geht in München ein Verhältnis mit einem Sänger ein, der sie verlässt. Lena Christ hat Tuberkulose und in ihrer großen wirtschaftlichen Not versieht sie Gemälde aus ihrem Privatbesitz und vom Flohmarkt mit den Signaturen bekannter Maler und verkauft diese Fälschungen als Originale zu deren Marktwert. Sie wird deswegen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Dieser entzieht sie sich durch ihren Freitod.

Lena Christ steht für eine unverklärte, realistische Heimatliteratur, wie sie von Oskar Maria Graf weitergeführt wurde. Ihre Romanfiguren wollen ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten und auf ihr Glück nicht verzichten.

Lena Christ mit Sohn Toni, 1904
Quelle: Archiv Monacensia

Dies ist auch das Thema des Romans „Madam Bäurin“, dargestellt am Gegensatz der bäuerlichen und städtischen Gesellschaft und Lebensweise. Vorsicht: die hochdeutsche Prosa ist mit urwüchsigen Dialogen in altbayerischer Mundart durchsetzt!

 Der Roman „Madam Bäuerin“ ist kostenlos im Projekt Gutenberg im Internet zu lesen. Meine Seitenangaben beziehen sich auf die Listausgabe von 2002, in der die drei wichtigsten Romane von Lena Christ zusammengefasst sind: „Erinnerungen einer Überflüssigen“, „Rumpelhanni“ und „Madame Bäurin“.
Von diesen drei Romanen ist nur Madam Bäurin, bei aller Sozialkritik, ein Roman mit versöhnlichem Ausgang, zu dem man unbeschwert einen Cocktail drinken kann.

Zum siebten Mal fährt Rosalie mit ihrer Mutter, der verwitweten Frau Rechtsrätin Scheuflein und Tante Adele zur Sommerfrische aufs Land. Und wie jedes Jahr arbeitet das Mädchen aus München mit Begeisterung auf dem bäuerlichen Anwesen der Schiermosers mit. Sie teilt Freud und Leid mit den Bauersleuten und verliebt sich in den jungen Hoferben Franzl. Dies allerdings sehr zum Missfallen von Rosalies adeliger, aber völlig verarmten Mutter, die ihre Tochter bereits mit einem reichen Assessor verlobt hat. Aber auch die alte Bäuerin stellt sich gegen eine Verbindung zwischen ihrem Franzl und der Städterin. Mit Unterstützung des Vaters heiratet Franzl das fleißige Mädchen aus der Stadt. In ihrem Zorn verlässt die alte Schiermoserin das Wohnhaus, lebt im Austragshaus und bricht jeden Kontakt zur Familie ab. Erst als der Enkel geboren wird, bietet sie ihre Hilfe als Kindsfrau an. So endet der Roman versöhnlich.

Lena Christ kämpfte aufgrund ihrer Herkunft und Erfahrungen gegen die herrschenden Werte ihres Milieus an. Ihr Roman ist ein Beitrag zur Sittengeschichte, der die bäuerliche Welt in ihrer Derbheit zeigt und aus dem die große Sehnsucht nach Heimat einer entwurzelten Frau zu erkennen ist.

„Nun sind ja  im allgemeinen die Stadtleut keine absonderlich willkommenen Gäste auf dem Land. Aber so im besonderen macht doch manche Bäuerin eine Ausnahme und läßt ein paar von den Städtischen in ihren üppigen Flaumbetten schlafen. Freilich nur gegen gutes Entgelt. Denn umsonst ist der Tod, und der kostet das Leben. Und wenn sie auch darüber brummt, dass ihr die ‚verhungerten Stadterer den Schmalzhafen, die Mehltruhen und die Eierschüssel leer fressen‘, so ist ihr das Geld, welches die Sommergäste bei ihr sitzen lassen, doch eine so willkommene Nebeneinnahme, daß sie willig für etliche Wochen auf ihren Groll gegen sie vergißt“ (List, 2002, S. 417/418).

Die glückliche Hochzeit und die Geburt des ersten Sohnes im Roman sind Feste, die in Altbayern mit großzügigem Bierausschank gefeiert werden.

„Und drunten beim Unterwirt dampfen die Lungenwürste und der Leberkäs, droben beim Oberwirt duften die Braten und Soßen, und drüben beim Posthalter rollt man einen Banzen um den anderen auf den Ganter, und die Kellnerinnen rufen und schreien sich schier heiser: ‚Kriagst a Maß? Du aa oane? Ös zwee a Maß?“ (List, 2002, S. 465).

Daher schlage ich für Lena Christ einen Biercocktail mit Altbier vor,  in der Hoffnung, er hätte Lenas sinnliche Beobachtungsgabe und ihr ironisches Talent zu einem weiteren Roman beflügelt… Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde überwiegend dunkles Bier getrunken. Bis dahin hatte man noch nicht das Know-how in der Brau- und Mälztechnologie, mit hellem, weniger gedarrtem Malz ein wohlschmeckendes Bier zu brauen. Doch jetzt liegt das Schwarzbier wieder voll im Trend.

Black Refresher ( für Lena Christ)

Black Refresher, Quelle: http://www.brauer-bund.de

Glas: Schwarzbierpokal, Garnitur: Minzstengel, Orangenachtel

4 cl  Apricot Brandy, 3 cl Martini d´Oro, 4 cl Ginger Ale, 1 Flasche Schwarzbier

Schwarzbierpokal zu 3/4 mit Eiswürfel füllen, Apricot Brandy, Martini d´Oro und Ginger Ale darübergießen, mit Schwarzbier auffüllen und mit einem Barlöffel gut umrühren. 1 Achtel von einer Orange ausrücken, mit einem weiteren Achtel das Glas garnieren, zum Schluss mit einem Minzspitze dekorieren.

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